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01Kultur

Vom Theater zum Bad: Matthias Lilienthals Vision für die Volksbühne

Matthias Lilienthal, der neue Intendant der Volksbühne, plant eine radikale Transformation des Theaters in ein umweltbewusstes „Volksbad“. Doch was steckt wirklich hinter dieser Idee?

Lena Müller4. August 20264 Min. Lesezeit

Die Volksbühne, ein ikonisches Theater im Herzen Berlins, steht vor einer grundlegenden Veränderung. Der neue Intendant Matthias Lilienthal hat eine Vision, die sowohl faszinierend als auch fragwürdig erscheint: Er möchte die Volksbühne in ein „Volksbad“ verwandeln. Diese Idee, die scheinbar weit über die bisherige Theatertradition hinausgeht, wirft zahlreiche Fragen auf. Was bedeutet es, ein Theater in ein Bad zu verwandeln? Welche kulturellen und sozialen Implikationen bringt diese Umwandlung mit sich? Und vor allem, was bleibt von der Kunst, wenn der Wasserstand steigt?

Lilienthal ist bekannt für seine experimentelle Herangehensweise an das Theater. Er hat sich einen Namen gemacht, indem er klassische Formate aufbricht und neue, oft ungewöhnliche Konzepte verfolgt. In seiner ersten Pressekonferenz schilderte er seine Pläne mit einer Begeisterung, die ansteckend wirkte. "Kunst ist nicht nur das, was auf der Bühne passiert. Kunst umfasst das gesamte Leben der Menschen", sagte er. Diese Aussage stellt die grundlegende Frage: Ist das Theater wirklich ein Ort, der sich nur auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert? Oder sollte es mehr sein?

Ein Raum für Begegnung

Die Idee eines Volksbads ist vor allem als ein Raum für Begegnung gedacht. Lilienthal argumentiert, dass in einer Stadt wie Berlin, die so vielfältig ist, Räume geschaffen werden müssen, in denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialer Schichten begegnen können. Ein Bad könnte solch ein Raum sein – ein Ort, wo Wasser nicht nur zur Hygiene dient, sondern auch zur Entspannung, zur Kommunikation und zur Interaktion. Doch hier kommen auch die Skeptiker zu Wort: Wäre ein Bad wirklich der richtige Rahmen für die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur? Und ist die Vorstellung, dass das Wasser als Katalysator für sozialen Austausch fungiert, nicht ein wenig naiv?

Die Umgestaltung zur Volksbühne 2.0 stößt nicht nur auf Zustimmung. Kritiker stellen in Frage, ob dieses Konzept nicht die Essenz des Theaters verwässert. Verliert man nicht die Konzentration auf die Kunst, wenn man sich zu sehr mit dem sozialen Aspekt beschäftigt? Und was passiert mit den etablierten Theaterformen, die seit Jahren das Programm der Volksbühne prägen? Werden diese Formen, die viele schätzen, in den Hintergrund gedrängt, während das Wasser die Hauptbühne übernimmt? Es ist der schmale Grat zwischen Innovation und Tradition, den Lilienthal zu betreten versucht.

Die Volksbühne hat eine lange Geschichte, die bis in die 1910er Jahre zurückreicht. Einst war sie ein Ort der politischen Diskussion und sozialen Auseinandersetzung. Sie hat oft als Plattform für progressive Ideen gedient. Doch kann eine Transformation in ein Bad, das in erster Linie ein Freizeitort ist, diese Tradition fortsetzen oder gar erweitern? Oder besteht die Gefahr, dass die Volkstümlichkeit der Volksbühne in eine Form der Beliebigkeit abgleitet?

Wasser als Metapher

Einflussreiche Denker haben Wasser schon immer als Metapher für das Leben verwendet. Es symbolisiert sowohl die Reinheit als auch die Veränderung. Lilienthal scheint dies zu verstehen und nutzt Wasser nicht nur als physisches Element, sondern auch als kulturelles Konzept. Doch wäre es nicht sinnvoll, die Frage zu stellen, was die Verwendung von Wasser in einem performativen Kontext wirklich bedeuten kann? Gelingt es, das Publikum durch nasse Erlebnisse anzusprechen? Oder könnte die Gefahr bestehen, dass man die Zuschauer einfach überfordert, selbst wenn das Wasser ein symbolisches Element bleibt?

In der Praxis bedeutet die Umwandlung auch, dass neue Künstler und Performer eingeladen werden, die mit diesen Ideen experimentieren können. Aber ist das nicht auch eine Herausforderung für die bestehenden Künstler? Sie müssen sich auf den neuen Kurs einstellen, der möglicherweise nicht mit ihrer bisherigen Arbeit übereinstimmt. Wie geht man mit dem Druck um, kreativ zu sein, wenn die Rahmenbedingungen sich so drastisch ändern? Ist es nicht auch eine Frage von Markierung und Identität im kreativen Bereich, die möglicherweise gefährdet ist?

So spannend diese Transformation auch sein mag, die kritischen Stimmen, die an die Oberfläche treten, sind nicht zu überhören. Der Erfolg wird sich schlussendlich an der Resonanz des Publikums messen lassen. Hat die Volksbühne nicht immer auch für ihre kritischen Töne bekannt? Wie wird sich das Publikum verhalten, wenn das Theater plötzlich ein Badehaus wird? Wird die kreative Freiheit der Künstler durch den sozialen Druck, einen solchen Raum zu schaffen, eingeschränkt?

Die ersten Experimente in formalen und informellen Theaterstücken im Wasser könnten bereits Entwürfe liefern, die sowohl schockieren als auch begeistern könnten. Doch wie nah können diese Ideen an der Essenz des Theaters bleiben? Und wird das Publikum bereit sein, diese neue Form der Theaterkunst zu akzeptieren?

Ein Blick in die Zukunft

Es bleibt abzuwarten, wie diese Transformation konkret umgesetzt wird. Lilienthal hat große Pläne, aber ohne die Unterstützung des Publikums könnte selbst die beste Idee im Wasser ertrinken. Ein Dialog über die künstlerische Vision, die sozialen Aspekte und die Notwendigkeit von Veränderung muss geführt werden. Wer wird sich an diesem Dialog beteiligen? Und wird man bereit sein, die alten Strukturen infrage zu stellen, um Raum für neue zu schaffen?

Die Volksbühne ist mehr als nur ein Theater; sie ist ein Ort des Wandels, ein Spiegel der Gesellschaft. Das Wasser kann als Träger dieser Veränderungen dienen, doch die Frage bleibt: Was passiert mit der Kunst, die darin schwimmt?

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